Über den Freihandel

Edgar Degas - A Cotton Office in New Orleans (Quelle: Wikiart)

Früher kamen Freihandelsabkommen noch mit der Versicherung, dass damit Arbeitsplätze geschaffen würden. Heute – im Zeitalter von CETA, TTIP, TiSA und wie sie nicht alle heißen – ist das nicht mehr so. Heute werden mit solchen Freihandelsabkommen Arbeitsplätze nur noch “gesichert”.

Das heißt sie gehen verloren, wenn man die Abkommen nicht unterzeichnet. Das heißt Ihr Arbeitsplatz oder meiner. Die sind akut gefährdet, wenn man so manch einem Politiker glauben schenkt.

Oder anders ausgedrückt: Das ist ungefähr so, wie wenn ein freundlicher Mann mit dunklem Anzug und Sonnenbrille zu ihnen kommt und erklärt: “Schönen Arbeitsplatz haben sie da. Wäre doch schlimm, wenn dem was zustoßen würde.”

Ja, soweit ist es inzwischen mit dem Kapitalismus gekommen, dass er auf Mafia-Methoden zurückgreifen muß, damit man ihn dem Volk überhaupt noch unterjubeln kann. Keine Wirtschaftswunder mehr, keine Aufschwung, kein besseres Leben, sondern einfach nur noch – zack! – die Drohkulisse das Haus mit Oma und drei Kindern abzufackeln, wenn das Volk nicht spurt.

Soviel Subtilität findet man sonst nur in der internationalen Diplomatie. Es findet überhaupt viel Diplomatie für den Kapitalismus statt. Der Herr Gabriel reist her und hin und hin und her, und erklärt überall wie wichtig der Freihandel ist. Man hat den Eindruck, der Herr Gabriel reist mehr für den Kapitalismus herum, als der Herr Steinmeier für den Frieden in der Welt.

Auch wenn es sich so anhört, als ob ich damit eine allgemeingültige Aussage über den Kapitalismus machen möchte, dem ist nicht so. Vielleicht ist dieses Verhalten auch einfach nur eine Eigenheit der SPD.

Aber um nochmal auf die Sache mit den Mafiosi zurückzukommen: Der Herr von Clausewitz, Held der Napoleonischen Kriege, soll gesagt haben, dass der Krieg die Fortsetzung der Diplomatie mit anderen Mitteln sei.

Da heutzutage der Krieg auch ohne die Diplomatie stattfindet – fragen sie dazu nur mal den Herrn Assad – kann sich die Diplomatie ganz auf den Bereich auf Erpressungsversuche im Interesse des Freihandels konzentrieren.

Dementsprechend müssen wir die Clausewitz’sche Weisheit heute etwas umdichten: “Der Kapitalismus ist die Fortsetzung der Kriminalität mit anderen Mitteln.”

Posted in Politik, Wirtschaft | Tagged , , , , , , , , , , | Leave a comment

Keine Flüchtlinge aus Nordkorea mehr

Byeon Bak - Dongnaebu painting of defense of Dongnae Fortress (Quelle: Wikimedia Commons)

Der Nordkoreanische Diktator Kim Jong-Un hat heute angekündigt, dass sein Land keine Flüchtlinge mehr nach Europa und damit auch Deutschland ausreisen lassen werde. Die Deutsche Bundesregierung zeigte sich erfreut über diese Nachricht. Wie aus Brüsseler Kreisen zu hören ist, wird die EU Gelder für das weltweit isolierte Nordkorea zur Verfügung stellen.

Bundeskanzlerin Merkel hat bereits angekündigt, dass sie demnächst nach Pjöngjang reisen wird, um sich persönlich mit Kim Jong-Un zu treffen. Bundeswirtschaftminister und SPD-Vorsitzender Gabriel bezeichnete den Diktator, der das Amt von seinem Vater geerbt hat, als “beeindruckenden Staatsmann”.

Um die Sicherheit von Kim Jong-Un sicher zu stellen wurde Jan Böhmermann zwischenzeitlich unter Hausarrest gestellt.

Posted in Medien, Politik | Tagged , , , , | Leave a comment

Die Zukunft

John William Waterhouse - Consulting the oracle (Quelle: Wikimedia Commons)

Ungefähr möglicherweise wäre wir vorbereitet auf die Eventualität,
hätten wir voraus vorhergesehen, dass etwas passiert,
was nicht geplant, nicht erwartet, also nicht so hätte sein dürfen,
dann wäre unser leben soviel einfacher wurden werden können.

Posted in Alltag | Tagged | Leave a comment

Unsere Unterwelt

Ary Scheffer - Dante and Virgil Encountering the Shades of Francesca de Rimini and Paolo in the Underworld (Quelle: Wikimedia Commons)

Es fiel ihr zum ersten Mal im Zusammenhang mit dem “Underside” auf. Das “Underside” war eine Bar gewesen, wo sie, ihre Freunde und viele ihrer Mitschüler sich während ihrer Schulzeit getroffen hatten. Später übernahm dann S., den sie peripher kannte, die Bar und führte sie weiter.

Aus einer Laune heraus hatte sie sich gefragt, ob es noch existierte und online danach gesucht. Was sie fand war verwirrend: Websites, die seit Jahren kein Update mehr gesehen hatten; Kommentare auf Bewertungsseiten, die aktuell erschienen, bis man sich deren Datum ansah. Nirgendwo war festzustellen, ob das “Underside” noch in Betrieb war oder nicht.

Sie überlegte lange und sprach mehrfach darüber mit ihrem Freund. Er schlug ihr vor, dass sie doch einfach S. fragen sollte: War sie nicht mit ihm in die Schule gegangen? War er nicht eventuell sogar noch Besitzer des “Underside”?

Also begann sie online nach S. zu suchen. Wieder stieß sie auf Spuren: Zuerst ein Twitter-Account ohne Updates. Dann ein Fotostream aus einem längst vergangen Urlaub bei dem S. mit Freunden zusammen zu feiern schien; er grinste darauf betrunken in die Kamera. Dann fand sie über alte Freund seinen Facebook-Account. Zuerst dachte sie, dass alles normal sei und war drauf und dran, ihm eine Nachricht auf seine Pinnwand zu schreiben. Dann sah sie die digitalen Beileidsbekundungen. Sie ließen darauf schließen, dass er irgendwann vor 3 Jahren (die letzten Nachrichten des “Underside” stammten aus derselben Zeit) gestorben sein mußte.

Sie sprach viel mit ihrem Freund darüber, der ihre Interesse an diesem Thema als merkwürdig empfand (andererseits war er damals nicht dabei gewesen). Eine Bekannte aus ihrer Schulzeit verriet ihr dann, dass S. Selbstmord begangen hatte; sie machte Andeutungen über den mangelnden Erfolg des “Underside” und Schulden.

Zu diesem Zeitpunkt hätte ihr Interesse schwinden sollen, doch aus einem Grund, den sie nicht verstand, mußte sie ständig daran denken. Ihr fielen Hinweise auf das “Underside” in den Gesprächen ihrer Freunde auf. S. wurde ihr von Facebook plötzlich als Freund vorgeschlagen. Und sie konnte sein Grinsen auf diesem Fotostream nicht vergessen. Es war also ob all dies irgendwie, irgendwo weiter lebte, als ob es sie verfolgte…

In einer Nacht schreckte sie aus dem Halbschlaf auf. Sie weckte ihren Freund: “Wir haben unsere eigene Unterwelt erschaffen.”

“Hmm…?” murmelte er schlaftrunken.

“Wir haben im Internet unsere eigene Unterwelt geschaffen. Dort versammeln sich die Geister der Toten und verfolgen uns. Ein Ort der Bewußtlosigkeit, wo wir nur als Schatten existieren, umgeben von Abbilder, Fratzen und dem was einmal war. Ort und Zeit sind aufgehoben.”

Ihr Freund blinzelte sie in der Dunkelheit verwirrt an.

“Selbst wenn wir sterben. Dort leben wir weiter. Ob wir wollen oder nicht.” Der Gedanke ließ sie erzittern.

“Isch pasch auffich auf…” murmelte er und nahm sie in den Arm, bevor er seine Augen wieder schloß.

“Das Internet ist unsere digitale Unterwelt.”

“Hm-hm,” grummelte er.

Sie wußte, dass er zu weit von ihr entfernt war. Er schwebte irgendwo zwischen den Träumen, vielleicht war dieser Moment an sich für ihn nur ein Traum an den er sich am nächsten Morgen nicht erinnern würde. Deswegen hatte es keinen Sinn mit ihm darüber zu sprechen, er würde sie nicht verstehen. Sie seufzte, schloß ebenfalls ihre Augen und glitt langsam dem Schlaf entgegen.

Posted in Gesellschaft, Medien | Tagged , , , , , , , | Leave a comment

Ihr Vater, ihrer Großmutter und sie

Ferdinand Georg Waldmüller - The Grandmother's Birthday (Quelle: Wikiart)

Sie war sensibel für das Mißverhältnis ihres Vaters zu seiner Mutter. Sie spürte, dass vieles unausgesprochen blieb, wenn er sie bei ihrer Großmutter absetzte, wo sie dann manchmal einen Nachmittag, einen Abend oder sogar eine Nacht verbrachte.

Ihre Großmutter verwöhnte sie. Sie war noch zu klein gewesen, um mitzuerleben, wie sehr sich diese Frau zuerst gegen den Begriff “Oma” gewehrt hatte, aber ihn schließlich akzeptiert hatte – vor allem weil es ihre Enkelin war, die ihn aussprach.

Dennoch blieb dieses Etwas zwischen ihrem Vater und ihrer Großmutter immer vorhanden. Doch aufgeweckt wie sie war, fragte sie ihn danach und bekam als Antwort ein verstocktes Schweigen. Ihre Mutter versuchte eine Erklärung, die allerdings in schwer verständlichen Worten steckenblieb. Sie wußte, dass sie etwas bedeuteten. Das “alleinerziehend”, “Doppelbelastung” logisch zusammengehörten und dass “distanziert”, “passiv-agressiv” etwas erklärte. Dieses Zusammenhängen war ihr wichtig auch wenn sie die Worte zu diesem Zeitpunkt noch nicht verstand. Erst viel später würde sie verstehen, welche Konflikte ihrer Großmutter damit verbunden waren. Und welche Konflikte ihres Vaters.

Manchmal – wenn sie gerade auf dem Parkettboden ihrer Großmutter mit den immer wieder neuen Spielsachen aus dem großen Korb, den ihre Großmutter unter der Treppe griffbereit hielt, beschäftigt war – erinnerte sie sich spontan, hob ihren Blick und sah ihre Großmutter lange an, versuchte die Frau, die über den Tisch gebeugt eine Zeitschrift las, mit den Worten in Einklang zu bringen, zu verstehen, was sie über sie erklärten. Ihre Großmutter merkte dies meist irgendwann, hob ihren Blick ebenfalls, lächelte und fragte etwas übertrieben betont: “Warum denn diese großen Augen?”

Gelegentlich – meistens wenn er gekommen war – saß ihr Vater dann auf der anderen Seite des Raums und zwischen ihm und ihrer Großmutter war eine große Stille. Sie spielte dann einfach weiter etwas länger, weil sie merkte, dass in diesem Momenten nichts außer ihr selber zwischen ihrem Vater und ihrer Großmutter war und beide sie liebten.

Posted in Uncategorized | Tagged , , , , | Leave a comment

Die Mailboxen unserer Freunde

Anonymous - The Telephone Exchange in London

Irgendwann hatte sich S. daran gewöhnt, dass sie ihre Freunde nicht mehr erreichen konnte: P. hatte sein Handy ständig stumm geschaltet, V. war immer im Ausland unterwegs, A. war immer auf einer anderen Leitung schon am quatschen, R. hatte ihre Telefonrechnung schon länger nicht mehr bezahlt und auch bei den meisten anderen, die S. anrief, ging immer nur die Mailbox ran. Natürlich traf S. den einen oder anderen einmal im Facebook-Chat, bei Whatsapp oder sogar persönlich. Aber immer wenn sie das Bedürfnis hatte, dass sie gerne einmal mit einem ihrer Freunde sprechen wollte, dann nahmen sie oder er – trotz Handy und theoretisch ständiger Erreichbarkeit – den Anruf nicht an.

Zuerst war S. dadurch ziemlich frustriert, aber dann entdeckte sie, dass sie eigentlich auch mit den Mailboxen sprechen konnten: P.s Mailbox war sehr nüchtern und S. rief sie gerne an, wenn sie laut über ein Problem nachdachte. K.s Mailbox war mit Musik unterlegt und S. rief sie gerne an, wenn sie sich beruhigen wollte. T.s Mailbox wiederum war ideal für längere Gespräche, da sie – aufgrund eines technischen Defektes – immer wieder mit dem Hinweis “Ihr Zeitlimit ist überschritten” unterbrach, aber dennoch immer weiter aufzeichnete.

Erst nach und nach begannen ihre Gespräche mit den Mailboxen ihrer Freunde zu einem Problem zu werden. Als erste wollte V. wissen, warum S. mehr als ein Dutzend Nachrichten auf ihrer Mailbox hinterlassen hatte. Dann zeigte sich P. verwirrt, weil er S. Nachrichten einfach nicht verstand. Und schließlich war es A., die S. eines Abends vorwarf, dass sie nicht mehr bei klarem Verstand sei und S.s Nummer blockierte.

Vielleicht war es auch merkwürdig, als S. in einer Bar H. kennenlernte und ihn fragte: “Darf ich Deine Mailbox kennenlernen?” H. war ihr ausgesprochen sympathisch erschienen und sie vermutete, dass er eine sehr angenehme Mailbox haben könnte.

H. verstand dies vollkommen falsch. S. wiederum hatte sich soviel Mut angetrunken, um ihn nach seiner Mailbox zu fragen, dass sie durch seine Reaktion zwar überrascht, aber nicht abgeneigt war.

Trotz ihrer Beziehung telefonieren H. und S. nicht miteinander. Allerdings kann man bemerken, wie sich H.s Gesicht aufhellt, wenn er feststellt, dass sie ihm eine Nachricht hinterlassen hat. Sie ruft sonst niemanden mehr an. In ihrem Freundeskreis ist nicht nur P. anzusehen, dass er neidisch ist und gerne wissen würde was S. auf H.s Mailbox hinterlassen hat.

Posted in Alltag | Tagged , , , , , , , | Leave a comment

Hass – Jetzt in 4 neuen, spannenden Geschmacksrichtungen!

 

Francisco Goya - The Colossus (Quelle: Wikimedia Commons)

Fühlen Sie sich gestresst? Überlastet? Dauernd gefordert von einer undankbaren Gesellschaft? Möchte Sie einfach mal ihre Aussicht auf das Leben verändern?

Dann haben wir genau das Richtige für Sie: Hass!

Hass ist ein universell einsetzbares Präparat für Ihre individuelle Zufriedenheit. Wo früher Frustration und Apathie geherrscht haben, bringt Hass sie wieder voran. Innerhalb kürzester Zeit verändert sich Ihr Leben dank Hass. Energie und Spannung stellen sich dank Hass sofort ein. Fühlen Sie sich wieder wohl in ihrer Haut! Denn es ist nicht Ihre Schuld.

Nun denken Sie vielleicht: Ein solches Wundermittel ist sicherlich kompliziert und aufwändig.
Wir sagen: Nein!

Hass können Sie jederzeit, in jeder Lebenssituation anwenden. Einmal appliziert können Sie sich dank Hass stundenlang ausleben. Energie im Handhochheben!

Selbst kleinste Dose im persönlichen Gespräch, oder auf Social Media wird große Auswirkungen auf Ihr Leben haben. Innerhalb kürzester Zeit werden Sie Anschluß an Gleichgesinnte finden, die Ihnen bestätigen werden: Leben mit Hass ist ein erfülltes Leben. Hass zeigt Ihnen dass sie gebraucht werden. Überall in Deutschland gibt es Erlebnisgruppen, die Ihnen bestätigen können: Hass ist die Zukunft!

Deswegen lernen auch Sie heute noch zu hassen. Es ist ganz einfach.

*Zu Risiken und Nebenwirkungen… HALT DIE FRESSE, ARSCHLOCH!

Posted in Gesellschaft, Politik | Tagged , , , , , | Leave a comment

Umfrage, ansonsten Schießbefehl

Ivan Vladimirov - Questioning in the commitee of the poor (Quelle: Wikiart)

In der laufenden Debatte über die Flüchtlingskrise hat der Vorschlag der AfD-Vorsitzen Frauke Petry an der Deutschen Grenze Gebrauch von der Schusswaffe zu machen für einige Diskussionen gesorgt.
Da Umfragen derzeit sehr in sind und wir verzweifelt mehr Leser benötigen, haben wir unseren Kollegen Harmadillo gebeten eine solche zu erstellen.

Soll es an der Deutschen Grenze wieder einen Schießbefehl geben?

1. Ja, das hat letztes Mal die Flüchtlinge auch erfolgreich aufgehalten.
2. Ja, aber die müssen ja nicht unbedingt jemanden erschießen.
3. Nein, die Nazis können das auch im Inland tun.
4. Nein, ich möchte mit meiner pazifistischen Grundhaltung den Rest der Bevölkerung unterdrücken.

Soll zusätzlich noch ein Zaun gebaut werden?

1. Ja, Zäune sind ein effektives Mittel um Zuwanderung zu kontrollieren.
2. Ja, aber vielleicht kann man die begrünen, dann sehen die nicht so häßlich aus.
3. Nein, niemand hat die Absicht einen Zaun zu bauen.
4. Nein, das könnte vom Aussterben bedrohte Tiere in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken.

Muß die Bundesregierung weitere Maßnahmen ergreifen?

1. Ja, der Asylmißbrauch gehört nicht zum Deutschen Wertesystem.
2. Ja, ich fühle mich irgendwie unwohl, dagegen muß man doch etwas unternehmen.
3. Nein, der nationale Widerstand hat sich bereits außerparlamentarisch organisiert.
4. Nein, das würde meinen Landesverrat nur noch schwieriger machen.

Stehen Sie hinter der Haltung unserer Bundeskanzlerin?

1. Nein, die Bundeskanzlerin hat kein Mandat Deutschland zu überfremden.
2. Nein, obwohl ich sie persönlich mag und es sehr bedauern würde, wenn ich sie in aller Öffentlichkeit als “Lügenkanzlerin” bezeichnen müßte.
3. Ja, durch ihre Haltung stärkt sie die Volksfront.
4. Ja, perönlich würde ich sie ja nie wählen, aber ich spüre bei meiner Meditation wie ich mit ihr über unser gemeinsames Regenbogenkarma verbunden bin.

Posted in Gesellschaft, Politik | Tagged , , , , , , , | Leave a comment

Dort wo die Träume sterben

Jan Vermeer - The Art of Painting (Quelle: Wikimedia Commons)

“Natürlich gibt es schreckliche Berufe. Das will ich garnicht bestreiten. Abdecker, Müllsortierer, die armen Schweine, die irgendwo in Afrika Mineralien aus dem Berg holen müssen… Aber ich bleibe dabei: Es gibt keine schlimmeren Beruf als meine. Den des Künstlerbedarfsverkäufers.

Ja, natürlich gucken Sie jetzt erstaunt. Lassen Sie mich versuchen, es Ihnen zu erklären…

Es gab einmal eine Zeit, in der ich es geliebt habe in einem Kunstladen zu arbeiten. Es gab und gibt dort so wundervolle Dinge zu finden: Bögen seidigen Papiers, bis zum Knarren gespannte Leinwände, die weichsten und die härtesten Pinsel, Speckstein, Lindenholz. Natürlich ist da der Geruch der Farben, aber daran gewöhnt man sich erstaunlich schnell.

Aber im Laufe der Jahre wurde es immer schwieriger für mich, die Arbeit dort mit meinem Gewissen zu vereinbaren. Sie sehen, wie diese Menschen hoffnungsvoll in ihren Laden kommen. Ausgiebig erklären sie ihnen welches Papier sich für die ersten Aquarelle am besten eignet. Welche Farben es einem nicht allzu schwer machen. Doch inzwischen weiß ich: Das ist der Zeitpunkt, wo ich sie alle verdamme…

Sehen Sie: Sie kommen alle zurück. Immer und immer wieder. Sie kaufen neue Stifte, bessere Farben, dickeres Papier, spitzere Meißel. Und dabei denken sie sich: Das ist genau das, was ich brauche um das zu erreichen was ich will. Und ich stehe hinter der Kasse und nicke ihnen zu. Ich sagen: Ja, das ist genau das was Du brauchst. Für das Gemälde, das Du planst, für die Skulptur.

Dabei weiß ich doch: Nein, nichts wird Dich retten. Stundenlang wirst Du versuchen das richtige Motiv zu finden. Tagelang versuchen es auf die Leinwand zu bringen. Wochenlang daran herumkorrigieren. Und selbst wenn Dir das gelingen sollte, was passiert dann damit? Es wird auf den Dachboden gestellt und landet ein paar Jahre später im Sperrmüll.

Der ganze Künstlerbedarf: Alles Schrott. Die Farben werden eintrocknen. Die Pinsel aushärten. Der Speckstein vielleicht als Deko in einer Vase landen.

Verstehe Sie: Ich verkaufe diesen Menschen Illusionen, Fata Morganas. Ich verdiene daran, dass sie scheitern. Das ihre Träume zerstört werden. Ich bin nicht besser als ein Drogendealer. Ich bin schlimmer! Denn was ich verkaufe bringt nicht einmal einen kurzen Rausch. Ich verkaufe Frustration in Tuben. Im Kunstladen kaufen die Menschen das Gift um ihre Träume zu ermorden.

Erst wenn ihre Träume endgültig gestorben sind. Wenn sie erkannt haben, dass sie Amateure sind, die niemals vor sich selber gerettet werden können, dann kommen sie nicht mehr zu mir. Solange verdiene ich an ihnen…

Verstehen Sie nun, warum mein Beruf so schrecklich ist? Ich bin der Mordgehilfe aller Menschen, die in meinen Laden kommen.”

Posted in Alltag, Kunst | Tagged , , , , , , , , , , | 2 Comments

Die politische Kreissäge

 

British Army on the Western Front, 1914-1918, British soldiers fitting a circular saw (Quelle: Wikimedia Commons)

Bei der Demonstration der HeGöMaGida (Hessischer Gönner-Mark-Kreis gegen Islamisierung des Abendlandes) am Donnerstag kam es zu einer Verwechslung: Statt des eingeladenen Gastredner und Hauptattraktion des Abends, Pegida-Sprecher Horst Nöltschik, wurde einer Kreissäge das Wort erteilt. Die “mehreren Hundert” (so Polizeiangaben) angereisten Demonstranten ließen sich davon nicht in ihrer Begeisterung stören.

Die Kreissäge wurde bejubelt, während sie lautstark auf der Bühne kreischte. Höhepunkt war das Zersägen einer Tischplatte aus Deutscher Eiche. Das Publikum quittierte dies mit frenetischem Applaus und dem Schwenken von Transparenten und Plakaten. Abschließend äußerten sich viele Demonstrationsteilnehmer positiv über den Auftritt der Kreissäge, die “genau ihre Meinung” wiedergegeben hätte.

Der eigentliche Redner des Abends, Horst Nöltschik, wurde am Rande der Demonstration wegen eines tätlichen Angriffes auf die Kreissäge verhaftet, der er nach Zeugenaussagen “eine undeutsche Herkunft” und “Verdrängung Deutscher Arbeiter” vorwarf. Er soll noch heute dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden.

Posted in Politik | Tagged , , , | Leave a comment