Folgen des Weltuntergangs

bunker

Martin Schönfelder ist verärgert. Dies liegt nicht daran, dass die Apokalypse ausgeblieben ist. Nein, ganz im Gegenteil: Das Ausbleiben der Apokalypse garantiert, dass der einzige autentifizierte Weltuntergangsausstatter™ im deutschsprachigen Raum weiter im Geschäft bleibt. Und das Geschäft läuft eigentlich sehr gut, nicht zuletzt dank der auch in der allgemeinen Bevölkerung verbreiteten Kenntnis über das Ende des Maya-Kalenders. Eigentlich…

“Wissen Sie,” seufzt Schönfelder. “Ich bin es ja gewohnt, dass nur wenige Menschen Verständnis für meine Arbeit haben. Aber dieses Jahr…” Er schüttelt den Kopf.

Seit Beginn des Jahres 2012 herrschte Hochbetrieb bei Schönfelder Weltuntergangsausstattungs™ GmbH. Unzählige Menschen, beunruhigt über die Möglichkeiten einer Apokalypse ließen sich von Martin Schönfelder und seinen Mitarbeitern mit maßgeschneiderten Sicherheitslösungen ausstatten: Bunker, Panic Rooms, besonders langhaltende Lebensmittelvorräte, Notfallmedizin, Notkapellen, Gasmasken, Geigerzähler… All das liefert Martin Schönfelder aus einer Hand. “Wir haben etwas für jedes Szenario. Und wir sind uns natürlich darüber bewußt, dass es auch schnell gehen muß,” fügt er nicht ohne Stolz hinzu.

Doch mit dem Fortschreiten des Jahres kamen die erste Anruf. “Zuerst fing es harmlos an,” erzählt Schönfelder. “Kinder. Die konnte bereits beim Anrufen vor Lachen kaum eine sinnvolle Fragen stellen. Ja, sowas ist erst einmal amüsant.”

“Doch dann kamen immer mehr solche Anfrage. Und die klangen dann nicht selten auch wirklich ernst gemeint,” fügt er hinzu. Mitarbeiter wurden zu Beratungsgesprächen losgeschickt, Zeitpläne erstellt, Materialien eingelagert, nur um Aufträge zu erfüllen, die sich immer öfter als Scherz herausstellten. “Das schlimmste war als wir mit einer kompletten Ausstattung für unseren Atombunker Turgidson-122 in Bielefeld vor einem Studentenwohnheim standen. Ja, die haben nicht schlecht gestaunt als wir da mit den Bauarbeiten loslegen wollten. Da hatten ein paar Studenten gedacht unsere ganze Firma sei nur ein Witz. Aber wir nehmen unsere Aufgabe ernst – sehr ernst. Die Leute vertrauen auf uns.”

Doch es kam noch schlimmer: Umso näher der 21. Dezember rückte, umso mehr Scherzanfragen gingen bei der Firma ein. “Irgendwann konnten wir garnicht mehr das Telefon abnehmen. Von den ganzen schriftlichen Anfragen ganz zu schweigen. Die muß man ja alle lesen, um zu sehen, was ernst gemeint ist und was nicht.” An seinem Computer zeigt uns Schönfelder noch eine der harmloseren: “Wir haben total Angst vor Zombies! Haben sie auch Kettensägen? LOL” steht in der Email. “Natürlich haben wir Kettensägen,” bestätigt Schönfelder grimmig.

Obwohl Schönfelder zuletzt auch zusätzliche Mitarbeiter einstellen mußte, um alle doch noch eingegangenen Aufträge zu erledigen, ist er nicht zufrieden. “Das schlimme ist, dass wir nicht wissen, wievielen Leuten wir nicht haben helfen können, weil sie zu uns nicht durchkamen. Das ist das, was mir persönlich am meisten zusetzt,” betont Schönfelder. “Die Menschen hoffen auf uns. Sie sind verzweifelt. Unsere Leistungen geben ihnen Sicherheit. Wir erfüllen eine wichtige Aufgabe.”

So gesehen ist er froh darüber, dass der 21. Dezember ereignislos vorüber gegangen ist. “Wir konzentrieren uns jetzt erst einmal auf die Unsicherheit bis zum 1. Juli. Danach steht die Donner-Party-Prophezeiung 2016 an.” Pläne für die Zukunft hat er also offensichtlich.

Dennoch zum Schluss eine letzte Frage an ihn: Glaubt er selber an den Weltuntergang? Schönfelder antwortet mit einem Lachen: “Ach, wissen Sie, das Haus meiner Familie ist ja gleich neben unserem Ausstellungsraum. So bin ich auf alles vorbereitet.”

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