Grillen!

Carl Spitzweg - Eremit, ein Hühnchen bratend (Quelle: Wikimedia Commons)

Wir saßen im Biergarten, da fiel mir die frische Narbe an Jochens Oberarm auf.

Als er meinen Blick bemerkte, schob er lässig den Ärmel seines Motörhead-T-Shirts weiter nach oben. “Beim Grillen passiert,” sagte er und lächelt. “Ich habe mich gerade gebückt, um noch mehr Kohle aufzufüllen. Weißt Du, wir grillen immer mit Kohle, schmeckt einfach besser. Also wollte ich etwas nachfüllen, damit das Feuer so richtig heiß ist und die selber marinierten Schweinesteaks nur ganz kurz aufs Feuer müssen. Dann bleiben sie saftiger. Und wie ich mich so bücke, da… Zack! Bin ich mit dem Oberarm an das heiße Eisen gekommen.”

“Hm…” ich nicke nur und nehme einen Schluck von meinem Weißbier, doch Julia konnte es so nicht stehen lassen.

Sie hob ihr Bein auf dem Tisch. Auf ihrem Oberschenkel prangten die Überreste einer riesigen Brandblase. “Saftige Schweinesteaks, sachste?! Hier probier mal brennende Honig-Senf-Marinade auf. Das haben wir auf die Spareribs gemacht. Haben wir selber vom Bauern geholt, eingelegt und auf unseren neuen Steinboden-Hochleistunggrill gelegt. Den befeuern ihn mit schön harzigem Fichtenholz. Das gibt ein Aroma. Aber… ja, da ist die Marinade in Brand geraten und hat mir dieses Souvenir eingebracht!”

Während Julia Jochen mit einem Grinsen ansah, konnte ich mich nicht länger zurückhalten. Ich setzte mein Bier ab und begann den Verband um meinen Arm zu lösen. Ich legte die zerfetze schwarz-roten Hautfetzen, die sich um die Überreste meine Arms sammelten, direkt zwischen beide auf den Tisch.

“Steaks!” sagte ich nur. “Hirschsteaks. Selber geschossen und direkt im Wald aufs Feuer gelegt. Wir haben mit unseren eigenen Händen aus Naturstein eine Feuerstelle gebaut und das blutige Fleisch auf den heißen Steinen mitten im lodernden Feuer gebraten. Naja… Etwas schwer herauszuholen…” Ich sah beiden tief in die Augen. “Aber so lecker!”

Julia und Jochen sahen mich mit grimmigem Blick an.

In diesem Moment klingelte Julias Handy. Mit finsterer Mine nahm sie den Anruf entgegen und wechselte ein paar Worte, während ich meinen Arm wieder in den Verband packte.

“Mario kann nicht kommen. Er liegt mit Verbrennungen 3. Grades im Krankenhaus.”

Ich starrte sie an. “Ey, so ein Angeber!” entfuhr es mir.

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