Totenfeier

Jakub Schikaneder - Allerseelen (Quelle: Wikimedia Commons)

Die Dame ging gerade mit ihrem Pudel über den Friedhof. Das Wetter war saumäßig, aber der Hund mußte raus. Da kam sie an der Südostecke vorbei, dort wo bis vor kurzem eine weite Wiese innerhalb der Efeu-bewachsenen Mauern gelegen hatte. Nun war alles umgegraben. Ein neues Grab reihte sich an das andere. Zwei Friedhofsmitarbeiter waren mit einem Miniaturbagger beschäftigt ein weiteres Grab zuzuschütten.

Eigentlich war die Dame schon fast am Überlegen gewesen, ob sie nicht umdrehen sollte. Doch der Weg zum Osttor war am kürzesten und so versuchte sie ihn zwischen Pfützen und Erdhaufen zu finden.

Der Bagger war laut. Er knatterte fürchterlich und während er sich hin- und herbewegte war immer wieder ein Kreischen zu hören, wenn die Schaufel einen weiteren Schwung Erde hinabfallen ließ.

“Obacht!” rief ihr der eine Arbeiter zu, der mit einer Schaufel in der Hand seinem Kollegen im Bagger zusah.

“Jaja,” antwortete sie und versucht über eine Pfütze zu steigen, entschied sich dann aber doch darum herum zu tippeln. “Aber sagen Sie mal! Wer wird denn da begraben?”

“Hm?” Der Arbeiter sah kurz auf und zuckte dann die Achseln. “Der Trittin, glaube ich…”

“Ach so. Ja, der Trittin, ist der denn schon tot?”

Der Arbeiter wiegte den Kopf und sah kurz betreten hinunter. “Naja, wie man’s halt nimmt. Aber unter die Erde kommt er auf jeden Fall. Die Roth ist ja auch schon unter der Erde.”

“Und…” Sie winkte mit einer Hand zu den Gräbern daneben. “…wer sind die anderen alle?”

“Ja, die Künast.” Er macht eine vage Bewegung zu einer schattigen Ecke unter ein paar bräunlichen Tannen. “Und der von den Piraten… Und das Massengrab dahinten, das ist die FDP.”

“Na! Da haben sie aber viel zu tun gehabt.”

In diesem Moment verstummte der Bagger. Ein letztes Röhren aus dem Auspuff, dann stand er still und der Fahrer sprang von seinem Sitz herunter. Nur das Kreischen schien immer noch nachzuhallen. “Was? Ne, wir fangen gerade erst an.” Er lachte und sah zu seinem Kollegen hinüber. “Ich glaube das reicht so nicht,” sagte er kurz zu ihm und sein Gegenüber nickte. Der Fahrer ging um den Bagger herum, während er der Dame zurief. “Die Merkel hat schon gesagt, dass sie noch ein paar Mal vorbeikommen wird. Die Koalitionsgespräche haben ja noch nicht einmal begonnen.”

“Ach, das ist ja schrecklich was die durchmachen muß. Überall dieser Tod und Verfall um sie herum.”

Der Fahrer nickte und nahm die AK47 auf, die unterhalb eines Erdhaufens gelegen hatte. “Ja, es ist wirklich schwierig für sie.” Dann trat er an das Grab heran und feuerte eine Garbe hinein. Nun war auf einmal auch das Kreischen verstummt.

Für einen Moment war die Dame starr vor Schreck, dann eilte sie mit ihrem Hund davon, während hinter ihr die Männer begannen das Grab endgültig zuzuschütten.

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