Schluß mit der Diskriminierung!

Francisco Goya - The Colossus (Quelle: Wikimedia Commons)

Noch immer ist in Deutschland Diskriminierung ein alltägliches Phänomen. Darauf wollte ein Kongress am Rande Berlins aufmerksam machen. In Vorträgen, Gesprächen und Workshops kamen viele Deutsche zu Wort, die Tag für Tag diskriminiert werden und die immer noch keinen Platz in der Gesellschaft finden können. Die Vortragenden waren nicht selten selber Betroffenen, die in ihren bewegenden Schilderungen berichteten, wie schwer ihnen der Alltag fällt. Vor allem ist es aber die ständige Herablassung und Leugnung des Phänomens, die ihnen zusetzt.

“Vielfach darf die Wahrheit einfach nicht ausgesprochen werden,” sagte etwa Ernst-Adolf von Hammerstein, selber ein Opfer unserer Gesellschaft. “Wenn wir auf die Probleme aufmerksam machen wollen, denen wir und andere ausgesetzt sind, dann werden wir sofort mundtot gemacht. Mir selber ist das immer wieder passiert. Ich bin politisch aktiv und ich lasse mir nicht vorschreiben, welche Meinung ich zu vertreten habe. Aber damit macht man sich Feinde.”

In den Workshops gab es deswegen vor allem praktische Ratschläge wie mit der alltäglichen Diskriminierung umgegangen werden kann. Vor allem ist es im Interesse der Veranstalter das Selbstbewußtsein der Teilnehmer zu stärken: Die Teilnehmer sollen sich nicht ausgestoßen und isoliert, sondern als Teil der Deutschen Gesellschaft verstehen. “Vielfach sind die Opfer ja keine Einzelgänger,” so etwa Helga Schleussmer, Veranstalterin des Workshops “Freude durch Lebenskraft” nach einer ihrer gut besuchten Sessions. “Im Gegenteil, vielfach ist es bloß das Sichtbarmachen, das Herausgehen was von den Tätern unterdrückt wird. Sie haben Angst vor der Wahrheit! Aber die Wahrheit macht uns frei.”

So finden sich auf der Veranstaltung Gleichgesinnte zusammen, die sich gegenseitig Mut spenden. Mit einem großen Fackelzug durch die Innenstadt des kleinen Ortes Neu-Müritz setzten die Teilnehmer und Veranstalter ein gemeinsames Zeichen. Parolen und Lieder stärkten das Zusammengehörigkeitsgefühl und sorgten für allgemeine Heiterkeit. In einer spontanen Solidaritätskundgebung wurde schließlich vor dem Haus des Bürgermeisters noch auf die prekäre Lage der Opfer in Neu-Müritz aufmerksam gemacht.

Nach 3 Tagen war es schließlich vorbei und die Teilnehmer machten sich wieder auf den Nachhauseweg, in die ländlichen Regionen von Sachsen und Thüringen, wie auch in die mondänen Vororte der Großstädte. Viele gingen mit neuem Selbstbewußtsein in ihren Alltag zurück, wo sie nun offensiv mit dem Thema umgehen wollen. “Ich habe keine Angst zu sagen, dass ich stolz darauf bin, der zu sein, der ich bin.”, meint etwa ein Teilnehmer am Bahnhof. Und eine andere Teilnehmerin pflichtet ihm spontan bei: “Es ist herrlich! Endlich konnten wir uns einmal offen austauschen und feststellen. Jetzt fühle ich mich endlich in der Lage auch einmal ganz offen zu sagen, dass die Juden unser Untergang sind.”

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