Das Recht auf Vergessen

Ilya Repin - The surgeon E.V. Pavlov (Quelle: Wikimedia Commons)

13. Mai 2034 – Wie der Hohe Gerichtshof des Herzogtums Europa in einem Urteil heute festgestellt hat, gilt das Recht auf Vergessen auch für neuronale Chips und muß entsprechend umgesetzt werden. Google, Weltmonopolist für neuronale Chips, stellte in einer Presseerklärung fest, dass dies ein “nicht erlaubter Eingriff in seine wirtschaftliche Integrität sei” und forderte sein Heimatland, die Corporate States of America, auf umgehend Europa den Krieg zu erklären.

Trotz der Kriegsdrohung muß das Urteil von Europas höchstem Gerichtshof erst einmal umgesetzt werden. Damit sind alle Bekannten, Freunde, Social Media-Follower und über ████████ [Name zur Sicherheit der Leser zensiert. – Die Red.] informierte Bürger gezwungen sich einer neuro-elektrischen Lobotomie zu unterziehen, damit die entsprechende Löschung der betroffenen Erinnerungen vorgenommen werden kann.

Wie die Sicherheitsexekutive verlauten ließ, sind bereits mobile Lobotomiekommandos ausgerückt, um das Urteil umzusetzen. Etxeberria Iturburua, einer der letzten drei, in Europa verbliebenen Menschenrechtler, erklärte, dass das Urteil ein gefährlicher Präzendenzfall sei: “Bisher wurden neuro-elektrischen Lobotomie nur bei Urheberrechtsverletzungen durchgeführt, weil Menschen widerrechtlich geschützte Inhalte gesehen haben. Mit diesem Urteil befindet sich das Herzogtum Europa auf dem gefährlichen Weg in den Überwachungsstaat.”

Trotz dieses Widerspruches hält die Sicherheitsexekutive an ihrem Zeitplan fest und will die neuro-elektrischen Lobotomien zeitnah durchführen. “Die Bürger werden sich in der nächsten Zeit darauf einstellen müssen, dass die es zu Verkehrsbehinderungen durch mobile Lobotomiekommandos kommen kann, die bei Ergreifung eines betroffenen Bürgers an Ort und Stelle die notwendige Gehirn-OP durchführen.”

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