Auf der Suche…

Es sollte ein harmonischer Familienausflug werden. Nach dem Stress, den die Familie wegen der rechtlichen Probleme ihres Schwagers Christian hatte durchleiden müssen, war ihnen allen der Sinn nach etwas Entspannung. Und so hatten sich gemeinsam ins Auto gesetzt und einfach mal losgefahren: Mutter Angela, die vom Beifahrersitz mit der Karte in der Hand aus die Richtung diktierte; Vater Sigmar am Steuer und auf der Rückbank Philip und Renate, die sich wie immer nur widerwillig und unter lautem Protest überhaupt hatten nebeneinander setzen lassen.

Doch bereits am Abend ihres Aufbruches kam es zu ersten Hürden. Während das Auto durch die Dunkelheit des früh-frühlingshaften Abends über die Landstraße rollte, hatten sie versucht bei der Verwandtschaft anzufragen, ob man denn für eine Nacht unterkommen könnte.

Angela klappte ihr Handy zusammen. ” Onkel Norbert hat irgendeine Veranstaltung seines Kindergartens.” faßte sie ihren gerade beendeten Anruf zusammen und sah wieder auf die Karte vor sich.

“Also wenn Andreas beruflich unterwegs ist, wer bleibt dann noch?” fragte Sigmar sachlich.

Angela seufzte. “Klaus, Wolfgang, eventuell Margot…”

“Was ist denn mit Tante Katrin?” fragte Renate von der Rückbank.

“Nein!” sagten Sigmar und Angela schnell und einstimmig.

“Menno!” Renate verschränkte verstockt ihre Arme.

Philip streckte ihr die Zunge aus.

“Aber wir sollten schnell was finden,” meine Sigmar. “Die Kinder werden noch unruhig. Vor allem weil Du Christian…”

“Jetzt fang nicht damit wieder an,” warnte Angela schnell und raschelte demonstrativ mit der Karte in ihrer Hand. “Wenn Du nicht damals mit Joachim gekommen wärst…” Mit der Hand wies sie ihn an an der nächsten Ecke rechts abzubiegen.

Während er steuerte verstummte Sigmar.

Renate, die aber den Namen ihres Lieblingsonkels aufgeschnappt hatte, begann sofort zu rufen: “Joachim, Joachim, Joachim…!” Dabei hopste sie auf ihrem Sitz hoch und runter.

“Renate, hör sofort auf, sonst führe ich die Atomkraft wieder ein,” rief Angela zur Rückbank.

“Menno!” Renate verschränkte verstockt ihre Arme.

Philip streckte ihr die Zunge raus.

Für einen Moment war es im Auto ruhig, dann rückte Philip aber etwas nach vorne und sagte leise: “Aber zu Joachim zu fahren wär schon cool…”

Angela mußte ein Stöhnen unterdrücken, während Sigmar ihr teils lächelnd, teils grinsend einen Blick zuwarf.

“Kommt nicht in Frage!” sagte Angela schließlich.

“Ach, komm! Du befürchtest ja nur, dass er etwas gegen Dich haben könnte, weil Du ihn nicht zur letzten Schlossparty eingeladen hast.”

“Nein, bestimmt nicht! Ich habe großen Respekt vor Joachim! Aber das kommt einfach nicht in Frage! Was soll ich denn den anderen Gästen unserer letzten Party sagen, denen ich erklärt habe, warum wir Joachim nicht eingeladen haben?”

Wieder wurde es still im Auto.

“Joachim, Joachim, Joachim…” flüsterte Renate leise von der Rückbank. Philip grinste ihr zu.

Auch Sigmar mußte sich zwingen nicht wieder zu grinsen. “Wir könnten ja schon einmal die Richtung einschlagen…,” schlug er unverbindlich vor.

Mit zusammengekniffenen Augen wandte sich Angela ab. Grimmig sah sie zum Fenster in die Dunkelheit der Nacht hinaus, während das Auto unaufhaltsam durch die Nacht fuhr.

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