Auf der Suche 2

“Na-na-nana-naaaa, Nanana-naaa-na…,” sang Philip während er freudig auf dem Teppich in Onkel Joachims Wohnzimmer hin- und herrannte.

Angela, die ihm zugesehen hatte, atmete tief durch und wandte sich wieder dem Fenster zu.

Na, ist doch schön hier zu sein, oder?” fragte Sigmar sie wohlwollend vom Sessel hinüber in dem er saß.

Angela gab einen Laut von sich, der einem Grunzen ähnelte.

Sigmar grinste und sah zu Renate hinüber, die mit großen Augen vor Onkel Joachims Regal stand und die Bücher anstaunte. “Na, sowas möchtest Du sicher auch mal gerne, wenn Du groß bist,” sagte er.

Die immer schon ambitionierte Renate hatte den sarkastischen Unterton in seiner Stimme durchaus bemerkt und warf ihm einen bösen Blick zu.

Doch Sigmar war viel zu gut gelaunt, um so etwas in diesem Moment zu bemerken.

“Da schleicht jemand ums Haus,” bemerkte Angela.

“Echt? Zeig mal!” Sigmar stand auf und trat zu Angela ans Fenster. Er spähte in die Dunkelheit hinaus, auf einen Punkt hin, den Angela ihm zeigte.

“Ach, das ist der Gregor! Huhuhu, Gregor!” Sigmar winkte ihm der nur schemenhaft erkennbaren Gestalt zu. “Was der wohl dort draußen in der Kälte macht?”

“Was soll er auch anderes machen? Ich habe ihn extra ausgesperrt,” sagte Angela trocken.

Sigmar sah sie erstaunt an. Dann begann er wieder zu grinsen und zum Fenster hinaus zu sehen. Er winkte noch einmal demonstrativ Gregor zu.

Angela wandte sich ab und Philip zu, der immer noch singend auf dem Teppich herumrannte.

“Na-na-naaaa, na-na-naaa…”

“Wir sprechen uns noch,” sagte Angela leise zu ihm hinüber.

Philip konnte ihre Worte zwar nicht hören, doch er bemerkte ihren Blick und hörte abrupt mit seinem Herumgerenne auf.

Es wurde still im Raum.

Vorsichtig ging Philip zur Tür, er sah sich noch einmal um, aber nun schien ihm keiner mehr Beachtung zu schenken. Leise verließ er den Raum und ging in Richtung der Küche, wo Onkel Joachim damit beschäftigt war ein improvisiertes Abendessen zu richten. Philip stellte sich einfach neben ihn und sah ihm wortlos zu.

“Na?” Joachim sah ihn an. “Bist Du froh darüber, dass ihr mich doch noch besucht habt?” fragte er.

Philip schwieg. “Keiner mag mich,” sagte er schließlich kleinlaut.

Joachim sah auf ihn herab, dann strich er ihm über das Haar. “Weißt Du…” Er positionierte ein großes Stück Butter auf einem Teller. “… früher, als ich noch in der DDR gewohnt habe, da hat mich auch niemand gemocht. Aber das ist eine lange Geschichte.”

Philips Augen begannen zu leuchten. Das war einer der Gründe, warum er so gerne zu seinem Onkel Joachim hatte reisen wollen: Niemand konnte so gut Geschichten erzählen wie er! Geschichten von Guten, die gegen Böse kämpften, Geschichten aus einer ganz anderen Zeit, die sich Philip garnicht so richtig vorstellen konnte. Aber sein Onkel Joachim war immer einer von den Guten gewesen!
“Erzähl, erzähl!” rief er erwartungsfroh.

Joachim lächelte ihm zu und während er noch ein paar Handgriffe machte, begann er: “Also: Es war einmal…”

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