Zum Davonlaufen

Joaquín Sorolla - Running along the beach (Quelle: Wikipaintings)

Und da waren sie wieder: Die Nachrichten aus der Ukraine, aus Liberia, aus Syrien, dem Irak, aus Somalia, aus der Mitte der Gesellschaft und dem Reich der Fantasie. Und plötzlich verspürte sie in ihren Beinen den Drang zu laufen. Sie ließ ihr Tablet fallen, sprang vom Sofa auf, und rannte in Richtung Tür. Sie schlitterte über das Parkett, schnappte sich im Vorüberrennen ihre Jacke und dann war sie zur Wohnungstür hinaus.

Den Hausflur entlang, die Treppe hinunter, auf die Straße hinaus, am Lidl vorbei, zwischen den parkenden Autos hindurch, an der Kreuzung vorbei und über den Zebrastreifen. Der Backshop flog an ihr vorbei, die silber-grauen Familienkutschen, der Parkautomat und die Damen vom Ordnungsamt. Rentner am Fenster sahen ihr hinterher und der libanesische Inhaber des Kiosk.

Der Spätsommerabend raste um sie herum, leichter Wind und schwache Sonne, ein dunkler Himmel. Ihre Füße trieben über den Asphalt und über die Pflastersteine am Brunnen vor dem Park. Eine Straße reihte sich an die andere, Hochhäuser erst, dann Einfamilienbuden, dann Wellblechgewerbe und Einkaufsparadiese. Dahinter kamen die Felder voll Ölraps und Biospritmais. Der Asphalt war der aufgewühlten Erde der Feldwege gewichen, bevor diese in Waldwege übergingen, wo die Bäume kühl und schattig über den Pfaden hingen.

Immer weiter, Deutschland hindurch. Von Nord nach Süd, von Ost nach West und dann über die Grenzen hinaus, in den Tag und die Nacht hinein.

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