Turbogiraffe Episode 288 – Decisions, decisions…

Z-E-V, Z-E-V, warum sprichst Du nicht mit mir? Z-E-V, Z-E-V, für Dich bin ich nur ein dummes Tier./ Z-E-V, Z-E-V, ohne Dich treib ich durch den Raum. Z-E-V, Z-E-V, doch das interessiert dich – glaub ich – kaum…” Ich sang leise in mein interdimensionales Funkgerät (IDF).

Ich konnte schon garnicht mehr sagen seit wievielen chronalen Einheiten ich ohne jeden Kontakt durch die interstellaren Leere driftet. Zwar war mein Raumanzug bereits in den Notfallmodus übergegangen, der mein Überleben für lange Zeit sichern würde, aber die Aussicht auszutesten wie lange der Notfallmodus mich tatsächlich am Leben halten konnte, war ausgesprochen wenig verlockend.

ZEV 40-18 hatte mit mir den Kontakt abgebrochen nachdem ZEV nach der ordnungsgemäßen Bezahlung meiner letzten Translokationen vorgeworfen hatte “nicht solidarisch” zu sein: Zwar hatte ichm meine Rechnung ordnungsgemäß beglichen, aber ZEV 40-18 bestand darauf, dass ich mich nicht mit “dem Notwendigen aus der Verantwortung” stehlen könne. Nach einigem Hin und Her brach ZEV 40-18 schließlich den Kontakt mit mir ab.
Ich war zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal dazu gekommen ZEV mitzuteilen, dass die letzte Translokation schiefgelaufen war und ich durch den leeren Raum driftete. Meine einzige Hoffnung war nun, dass ein Handelsraumschiff mich hier einsammeln und zum nächsten bewohnbaren Planeten bringen würde.

Z-E-V, Z-E-V, warum sprichst Du nicht mit mir? Z-E-V, Z-E-V, für Dich bin ich nur ein dummes…,” sang ich vor mich hin.

Plötzlich dröhnte eine Stimme in meinem IDF. “Hallo? Stellen Sie sofort das Singen ein und verlassen Sie den Kanal, dieser ist nur für die Verwaltung freigegeben. Ende.”

Ich war zuerst nur verdattert. Doch dann versetzte mich die Botschaft trotz des barschen Tonfalls der Stimme in freudige Erregung. “Hallo, hallo? Hören Sie mich? Turbogiraffe hier, ich treibe durch den Raum. Ich benötige Hilfe.”

Stille.

Ich wartete einen Moment, dann wiederholte ich meine Nachricht. Doch nichts geschah. Erst nachdem ich meinen Hilferuf zum dritten Mal hinausposaunt hatte, meldete sich die Stimme wieder: “Stellen Sie sofort ihre Hilferufe ein und verlassen Sie den Kanal, dieser ist nur für die Verwaltung freigegeben. Ende.”

“Aber ich benötige Hilfe,” antwortete ich schnell in der Hoffnung die Stimme in eine Konversation verwickeln zu können.

“Das ist irrelevant. Dieser Kanal ist nur…”

“…für die Verwaltung freigegeben. Ja, das habe ich verstanden. Aber ich kann den Kanal nicht freigeben, weil ich ihn benötige um meine Hilferufe abzusetzen.”

“Dafür ist der Kanal nicht freigegeben. Wenn Sie ein Problem mit der Freigabe des Kanals haben, können Sie den Rechtsweg beschreiten.”

“Wie bitte? Wie soll ich einen Rechtsweg beschreiten?! Ich treibe momentanen durch das interstellaren Vakuum…”

“Der interstellare Raum ist nicht zum Treiben freigegeben,” antwortete die Stimme.

Ich blinzelte verwirrt vor mich hin. “Okay, fein!” antwortete ich. In mir kam inzwischen der Verdacht auf, dass ich mit einem Roboter mit begrenzter künstlicher Intelligenz sprechen könnte, wie sie ihnen in der Verwaltung der Mandu-Konföderation begegnet war. “Ich möchte den Rechtsweg beschreiten.”

“Verwenden Sie für den Rechtsweg den freigegebenen Kanal!” entgegnete die Stimme mit einem verärgerten Unterton.

“Mir steht aber kein anderer Kanal zur…”

In diesem Moment knackte es deutlich in der Verbindung und plötzlich dröhnte eine zweite Stimme in meinem Helm. “Hier ist die Rechtshilfeabteilung! Wir haben Ihr Hilfegesuch erhalten.”

“Dieser Kanal ist nur für die Verwaltung freigegeben,” belehrte die erste Stimme die zweite Stimme. “Verwenden sie für juristisches den entsprechenden Kanal.”

“Mittels eines Eilverfahrens wird die Verwendung des Kanals freigegeben,” entgegnete die zweite Stimme.

“Sie können den Kanal nicht freigeben. Dafür gibt es Regelungen! Wissen Sie überhaupt was so ein Kanal kostet?” ereiferte sich die erste Stimme.

“Die haushaltspolitische Gesamtverantwortung liegt immer noch bei…

“Sie überschreiten Ihre Kompetenzen. Ich werde eine Organklage einreichen!”

Plötzlich knackte es wieder deutlich in der Leitung. “Hier spricht die interadministrative Schiedsgerichtsstelle. Diese Diskussion wird nun aufgezeichnet.”

“Ich widerspreche der Aufzeichnung,” sagte die zweite Stimme. “Im Vergleich ist eine Ungleichbehandlung eines laufenden Verfahrens gegenüber eines bereits abgeschlossenen nicht mit der Gleichheit im Status als Vertreter der Justizorgane vertretbar.”

Die erste Stimme schien trocken zu lachen.

“Hiermit eröffnen wir das Verfahren über die…,” sagte die dritte Stimme.

“Einspruch!” rief die zweite Stimme.

Es knackte wieder in der Leitung.

“Hier spricht der Budgetbevollmächtigte. Die Nutzung eines spezialisierten Kanals für ein laufendes Verfahren ist fiskalisch nicht zu rechtfertigen…”

Das Streitgespräch zwischen den Stimmen verstärkte sich. Während mir langsam klar wurde, dass mein Fall eine fremde Kultur in eine Staatskrise gestürzt hatte, begannen die Resonanzen in meinem Helm sich gegenseitig zu überlagern, so dass ich in meinen Ohren nur noch ein ein akustisches Pluckern zu hören begann.

Während ich darauf hoffte, dass mich vielleicht ein Raumschiff einer anderen Kultur entdecken würde, begann ich leise zu dem Pluckern der Stimmen in meinem IDF singen: “Z-E-V, Z-E-V, warum sprichst Du nicht mit mir? Z-E-V, Z-E-V, für Dich bin ich nur ein dummes Tier./ Z-E-V, Z-E-V, ohne Dich treib ich durch den Raum. Z-E-V, Z-E-V, doch das interessiert dich – glaub ich – kaum…

Ref: Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zum Sondergremium für die Griechenland-Rettungspakete

This entry was posted in Politik and tagged , , , , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply