Don Quixote auf dem Arbeitsamt

Gustave Doré - Don Quixote (Quelle: Wikipaintings)

“Es gibt in Deutschland keinen Platz für Gewalttäter,” sagt Integrationsbeauftragter Murnisch mit einem Seufzen. “Das ist alles, was man über diesen Fall sagen kann.”

Doch natürlich ist es nicht so einfach. Die Aussage spart die Hoffnung und auch die Verzweiflung von Immigranten aus, die nach Deutschland kommen. Und natürlich auch die vielfach – selbst für Deutsche – kaum zu navigierenden Irrwege der Bürokratie.

“Qualifizierte Arbeitskräfte sind in Deutschland immer willkommen,” sagt die Leiterin der Arbeitsagentur Oldenheim, Kathrin Geschonneck. “Und besonders für EU-Ausländer gelten bei uns ja besondere Regeln. Doch im Fall von Herrn Quixote… Verstehen Sie mich nicht falsch, die Arbeitsagentur hat sich wirklich bemüht. Das fing beim gemeinsamen Ausfüllen der Anträge an. Da gab es viele Probleme, schon alleine wegen der Sprache. Aber ein Mann in seinem Altern, der dabei noch den Beruf des Schaustellers ausübt. Das ist nicht einfach auf dem Deutschen Arbeitsmarkt.”

Für Fälle wie den Spanier Quixote gilt in der Behördensprache der Ausdruck “schwer vermittelbar”: Kaum der Deutschen Sprache mächtig, fortgeschrittenes Alter und zugleich nur geübt in einem Beruf, der auf dem Deutschen Arbeitsmarkt kaum vorkommt. “Er hatte Ritter angegeben. Wir haben dann im Gespräch herausgefunden, dass er wohl in einem Vergnügungspark gearbeitet hatte,” erklärt seine ehemalige Sachbearbeiterin Nadine Buskowskaja. “Wir haben ihm mehrfach Umschulungen angeboten, aber er hat sie vehement abgelehnt. Er hat seine Rolle sehr ernst genommen. Was natürlich verständlich ist, er hat sie jahrelang ausgeübt. Aber Flexibilität ist heute einfach von entscheidender Wichtigkeit. Das muß man erwarten können. Leider war er insgesamt… schwierig im persönlichen Umgang.”

Schwierig oder auch problematisch sind oft Wörter, die man in der Arbeitsagentur Oldenheim über Herrn Quixote hört. Ein Mitarbeiter, der nicht genannt werden will, spricht gar von Altersstarrsinn. Das eine gewisse Form von Starrsinn allerdings auch auf die Agentur zutreffen könnte, das will Nadine Buskowskaja so nicht stehen lassen. “Herr Quixotes Assistent, den Herrn Pansa, haben wir sehr leicht vermitteln können. Er hat sich wirklich sehr bemüht und alle Maßnahmen akzeptiert. Natürlich mußte er dafür seinen alten Kollegen verlassen, damit er eine Stelle in Berlin annehmen konnte. Aber wir sind sicher, dass sich das gelohnt hat. Nach unseren Auskunft ist Herr Pansa immer noch beschäftigt.”

Doch dem alternde Spanier, der aus seiner Heimat nach Deutschland gekommen war, um der hohen Arbeitslosigkeit seines Landes zu entkommen, war ein vergleichbarer Erfolg nicht vergönnt. “Ohne die Unterstützung von Herrn Pansa war es natürlich noch schwieriger für Herrn Quixote. Wir hatten dann aber zufälligerweise ihm sehr schnell eine Stelle als Sicherheitsmann auf einer Windkraftanlage anbieten können. Da Herr Quixote über ein Pferd verfügte erschien uns das als eine gute Möglichkeit für ihn,” erklärt Agenturleiterin Katrin Geschonneck. “Sein zukünftiger Arbeitgeber hat allerdings eine Sicherheitsüberprüfung von Herrn Quixote machen müssen und dafür in Spanien angefragt. Da kam das dann alles ans Licht…”

Integrationsbeauftrager Walter Murnisch ist untröstlich: “Es ist nicht so, dass ich kein Verständnis für Herrn Quixote habe. Wirklich nicht. Ich kann verstehen, wenn ein Mensch ein neues Leben anfangen und sich neu orientieren möchte. Aber wie gesagt: Es gibt in Deutschland keinen Platz für Gewalttäter.”

In der Arbeitsagentur wird heute noch von dem Tag gesprochen an dem Herr Quixote von seiner anstehenden Ausweisung hörte. Man will sich dazu nicht genauer äußern. Agenturleiterin Geschonneck meint nur: “Ich kann verstehen, wenn das einen Menschen aufwühlt. Das ist auch für uns nicht einfach. Aber mittelalterliche Waffen, da ist eine Grenze überschritten…”

Herr Quixote wurde deswegen Ende des letzten Monats verhaftet und nach Spanien ausgewiesen. Leider konnte er nicht für eine Stellungnahme ausfindig gemacht werden.

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