Die Abenteuer von Kapitän Dr. Rösler

Der Regen peitschte gegen die Scheibe, während das Schlachtschiff durch das Dunkel des Sturms und der Nacht pflügte. Heftig schwankend gelang es selbst den gestandenen Seemännern auf der Brücke nur mühsam auf den Beinen zu bleiben. Mehrere Monate war es nun her, dass die Westerwelle die Flotte unter Kapitän Dr. Rösler auf das offene Meer hinausgetrieben war, doch immer noch war kein Land in Sicht.

Eine der Türen flog auf und ein pitschnasser Matrose stürmte auf die Brücke. “Kapitän, Kapitän, wir haben Nachricht von der Fregatte Saar, die Mannschaft wurde von Bord gespült und das Schiff von Piraten übernommen…”

Kapitän Dr. Rösler, der neben seinem Steuermann Patrick, wegen seines Kaffeekonsums auch “Starbucks” genannt, stand, sah seinen Untergebenen entsetzt an, als der Matrose ihm die Nachricht auf einem durchweichten Papierlappen überreichten.

“Kurswechsel, Kapitän?” frage Starbucks Döring.

“Nein, wir fahren weiter…” Nachdem sich bereits die Fregatte Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, das Minensuchboot Rheinland-Pfalz und die Schnellboote Bremen und Sachsen-Anhalt nicht mehr meldeten, war dies für den Kapitän eine weitere Hiobsbotschaft. Vor allem, dass auch die Fregatte Berlin an Piraten verloren gegangen war, mit deren Auftauchen man in diesen Gewässern bisher nicht gerechnet hatte, drückte die Moral der verbliebenen Mannschaft.
“Können wir nicht das Steuer senken?” fragte Kapitän Dr. Rösler seinen Steuermann.

“Nein, mein Kapitän, es ist noch immer blockiert.”

Kapitän Rösler rieb seinen nicht-vorhandenen Bart.

In diesem Moment flog wieder die Tür auf und ein weiterer Matrose, ebenso nass wie der erste, stürmte herein. “Mein Kapitän, es gibt wieder Gerüchte über eine Meuterei unter den Matrosen im Maschinenraum, die nicht weiter Kohle nachlegen wollen.”

Der Kapitän konnte nur knapp ein Stöhnen unterdrücken.

“Mein Kapitän!” Wieder war ein Matrose eingetreten. Langsam bildete sich zu Füßen der strammstehenden Matrosen auf der Brücke eine große Pfütze. “Admiral Merkel besteht weiter darauf, dass wir Vorräte anlegen…”

Für einen Moment bewegte sich etwas im Gesicht des Kapitäns, dann trat er hinüber an das Funkgerät.

“Hier Kapitän Rösler, wir….” sprach er in die Anlage, doch seine Rede wurde unterbrochen.

13 Mann auf des toten Manns Kiste, hey-ho-hey…” klang es ihm aus der Funkgerät entgegen.

“Hier Kapitän Rösler,” schrie er noch einmal in das Funkgerät in der Hoffnung vielleicht doch durchzukommen.

Doch auch bei diesem Versuch schallte ihm stattdessen wieder nur ein Piratenlied entgegen: “Yar har, fiddle di dee, being a pirate is alright to be…

“Auf allen Wellen Piraten…” murmelte er. Etwas tat sich im Gesicht des Kapitäns. Für einen Moment meinte Starbucks Döring zu sehen, dass er so etwas wie ein Würgen unterdrückte. Dann knallte das Lautsprechermikrofon des Funkgerätes wieder in seine Halterun.

“Kapitän, soll ich den Kurs zur Vorratsaufnahme einschlagen?”, fragte Starbucks Döring vorsichtig.

“Das kommt überhaupt nicht in Frage,” wies der Kapitän seinen Untergebenen zurecht. “Mit Vorräten sind wir erst recht ein verlockendes Ziel für die Piraten. Ich werde nicht für den Admiral den Piratenlockvogel spielen. Wir müssen auf jeden Fall unseren Kurs halten.”

Starbucks Döring erbleichte. “Mein Kapitän, aber das bringt uns auf Kollisionskurs mit der Hauptflotte.”

“Kurs halten,” befahl der Kapitän.

“Aye, aye,” erwiderte der Steuermann.

Schroff drehte sich der Kapitän zu seinen Matrosen “Und bindet Sabine an den Bug!” befahl er. “Wir benötigen unsere härtesten Rammsporn.”

“Aye, aye!” Die Matrosen salutierten und rannten dann von der Brücke hinaus auf das sturmgepeitschte Deck.

“Piraten, pah!” murmelte Kapitän Dr. Rösler. “Wollen wir der Admiralin doch mal zeigen, dass wir schon Freibeuter waren bevor es überhaupt Piraten gab…”

Starbucks Döring warf seinem Kapitän einen beunruhigten Blick zu.

 

Ref: Die Zeit über die Nachwirkungen der Wahl im Saarland

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