Aussprache

“Wir müssen mal über unser Verhältnis reden. Das hat mir mein Konflikttherapeut geraten: Einfach mal nüchtern analysieren. Und nein, jetzt bin ich an der Reihe, mal etwas zu sagen und ich will nicht, dass Du gleich wieder rumschreist.”

“Also, ich finde das ich einen ziemlich großen Beitrag zu unserer Beziehung leiste und das geht weit über das rein körperliche hinaus. Ich bemühe mich jeden Tag es Dir recht zu machen und dennoch bist Du nie zufrieden. Ich finde diese Bedürfnishaltung von Dir einfach ziemlich nervig und wenn Du schon unbedingt etwas haben möchtest, dann kannst Du Dich wenigstens auch mal rein sachlich äußern und nicht gleich wieder so hysterisch. Ich kann Deine Impulsivität einfach nicht nachvollziehen.”

“Gut, ich verstehe, dass Du Probleme mit dem Sprechen hast. Aber Bubu reicht einfach nicht als Erklärung, noch als Entschuldigung oder Dankeschön. Wenn ich mir vorstelle, dass das jetzt einfach immer so weitergehen soll und ich mich einfach mit Bubu zufrieden geben soll, dann muß ich jetzt einfach mal klar sagen, dass mir das nicht reicht.”

“Nein, ich möchte Dir nicht Undankbarkeit unterstellen. Aber ich kann und will nicht dauernd von Dir in Anspruch genommen werden. Es ist diese Erwartungshaltung. Ja, diese Erwartungshaltung von Dir, die mich einfach stört… Was heißt stört? Ich bin jetzt mal ganz egoistisch und sage einfach, dass sie mich an meiner Lebensentfaltung hindert, okay? Ja, Du wirst jetzt sicher denken, dass ich Prioritäten setzen muß und dass ich nicht wie früher weitermachen kann, wenn wir eine sinnvolle Beziehung haben wollen. Aber das sehe ich anders.”

“Man muß Kompromisse machen. Wir beide müssen Kompromisse machen. Aber bei Dir sehe ich einfach nicht die Bereitschaft dazu. Stattdessen schreist Du rum. Ich meine, dass geht doch garnicht. Was würdest Du denn von mir halten, wenn ich einfach rumschreien würde, bloß weil ich nicht bekomme was ich will. Ich wäre permanent am Schreien. So sieht das nämlich aus. Aber stattdessen versuche ich es Dir recht zu machen – wobei ich echt das Gefühl habe, dass mir garnicht gelingt – und stattdessen verzichte ich vollkommen auf meine Freizeitgestaltung. Echt, ein paar meiner Freunde habe ich seit Monaten nicht mehr gesehen, bloß weil Du… Du einfach so unselbstständig bist, ja?”

“Deswegen möchte ich einfach mal sagen, dass Du ein paar Anstrengungen unternehmen könntest. Zum Beispiel was Deine körperlichen Bedürfnisse betrifft. Eine Kontrolle Deiner Körperöffnungen könntest Du wenigstens… Also alleine schon wegen der Kosten und, und… Ehrlich gesagt ist mir das auch peinlich, wie Du immer in der Öffentlichkeit… Also das färbt auch auf mich ab, ja! Ich bin ehrlich versucht Dich einfach stehenzulassen und wegzugehen, weil mir das einfach peinlich ist mit Dir…”

An dieser Stelle nahm mir meine Lebensgefährtin unseren zehnmonatigen Sohn vom Schoss und meinte zu mir, dass wir mal über unser Verhältnis reden sollten.

This entry was posted in Alltag and tagged , , , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply