Ein Gespräch mit Vorhaut

Seit der Entscheidung des Landgerichtes Köln geht das Thema der Beschneidung durch die Presse und verschiedenste Gruppen haben dazu ihre Meinung abgegeben. Einer der direkt Beteiligten wurde allerdings bisher noch garnicht zu dem Thema befragt. Wir wollen das ändern…

Frage: Zuerst eine formale Frage… Ist es Herr oder Frau Vorhaut?

Vorhaut: Ja, das ist nicht ganz einfach. Grammatikalisch bin ich weiblich, aber genetisch männlich. Ich bevorzuge deswegen einfach “Vorhaut”.

Frage: Gut. Also, Vorhaut! Sie wurden bisher überhaupt nicht zu dem Urteil des Landgericht Köln befragt. Schmerzt das?

VH: Nicht so sehr wie die Beschneidung selber… Okay, ich gebe zu, das ist ein schlechter Witz. Ehrlich gesagt, habe ich nicht damit gerechnet befragt zu werden. Bei der Sache selber interessiert es ja auch niemanden, was ich davon halte.

Frage: Und? Was halten Sie davon?

VH: Nun ja, es ist schon merkwürdig, wenn man seine persönliche Freiheit erhält, weil Religiöse entscheiden, dass man nicht zusammenpaßt. Religion hat ja nicht gerade den Ruf für persönliche Freiheit zu stehen… Aber ich bin an keinen Penis mehr gebunden.

Frage: Sie haben sich also in ihrem Leben ohne Penis eingerichtet?

VH: Kann man so sagen. Es war nicht ganz einfach am Anfang. Wenn man erstmal vom Penis getrennt ist, muß man ja erst lernen ein eigenständiges Leben aufzubauen. Das schafft nicht jeder. Ich kenne da einen Blinddarm… Aber das führt vielleicht zu weit. Kurz gesagt, es gibt bestimmte Aspekte meines Lebens ohne Penis, die ich wirklich ganz okay finde.

Frage: Zum Beispiel?

VH: Ich sage nur Pimmelkäse.

Frage: Aber trotzdem nochmal die Frage… Viele argumentieren, dass Ihre Trennung vom Penis dem Sexualleben schadet…

VH: Gut, es ist kein Geheimnis das mein momentanes Sexualleben inexistent ist. Und auch in Zukunft sind meine Chancen jemals eine Vagina von innen zu sehen, nicht gerade dolle. Aber andererseits habe ich letzten Samstag eine komplette Staffel CSI:Miami sehen können, ohne dass mich dabei irgendwelche forschenden Hände eines Partners gestört hätten.

Frage: Das klingt aber nicht nach einem besonders aufregenden Privatleben?

VH: Naja, seien wir mal ehrlich… Vorher haben die Leute mir auch dauernd schon vorgeworfen, dass sie wegen mir den Penis nicht sehen würden. Nach der Trennung wurde es mit meinem Ruf aber auch nicht wesentlich besser… Wie gesagt, ich habe jetzt wenigstens meine persönliche Freiheit.

Frage: Sie fühlen sich also diskriminiert?

VH: Naja, warum werde ich denn abgeschnitten? Ist das keine Diskriminierung, wenn die mir vorwerfen, dass sie wegen mir in ihrem Leben oder ihrem Nachleben nicht weiterkommen? Und selbst im Alltag… Ich kann ja nicht einmal die Straße runtergehen, ohne dass man mir “Erregung öffentlichen Ärgernisses” vorwirft. Dabei erregt sich bei mir garnichts! Ich bestehe nur aus Haut! Ich habe keine Schwellkörper. Aber selbst nach der Trennung muß ich mir immer noch diese Geschichten anhören.

Frage: Das klingt als hätten Sie die Trennung trotz allem nicht gut verkraftet…

VH: Ach, laßt mich doch alle einfach in Ruhe…

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