Zweifel im Zeitalter der digitalen Vergänglichkeit

Ein Gastbeitrag von Dr. Eichhorn zu den Ankündigungen des Bundesumweltministers zu der Verzögerung bei der geplanten Energiewende:

Momente der Klarheit in denen wir uns der digitalen Vergänglichkeit bewußt werden, sollten der Ausgangspunkt für die existentialistische Erörterung unseres Handels, die Vergänglichkeit unsere Tuns sein: Die Aufrechterhaltung einer professionellen Virtualität um ihrer selber willen, ein Möbiusband der Beschäftigung im Zeitalter der technisch inhärenten Devaluierung unseres Schaffens. Der verschlingende Dämon des Elektrizitätverlustes wird zum Dämon des Existenzverlustes, in dem die physische Unerreichbarkeit professioneller, sozialer und politischer Errungenschaften zur pathologischen Verdrängung führen.

Die Energiewende stellt also nicht weniger als die Beschwörung eines Urtraumas hervor, der Blick in den elektronischen Abgrund und die Selbsterkenntnis der eigenen elektronischen Abhängigkeit, beziehungsweise der Erkenntnis der Materialisation in der quasi-totalen Verschmelzung unserer Gliedmaßen, dem Gadget-induzierten Paralysis infantum einer in technischer Unmündigkeit gehaltenen Gesellschaft, darstellt.

Ein Atomkraftwerk abzuschalten gleicht also einem psychologischen Balanceakt zwischen dem emotional technologie-abhängigen Es und dem in seiner täglichen Tätigkeit ständig als vergänglich bestätigten Über-Ich, so daß der Reptilienteil unseres Gehirns natürlich den süßen Saft der elektronisch-nuklearen Mutterzitze dem utopistischen Versprechen der ökologischen Integration unserer energetischen Traumerfüllungsmaschine bevorzugen muß.

Die derzeitige Debatte ist also weniger mit den technischen Möglichkeiten als vielmehr der psychologisch-pathologischen Grundstimmung einer elitären Kaste zu erklären, deren Abhängigkeit von der fortlaufenden digitalen Strukturierung der Makro-Gesellschaft in den sozialen Mikro-Bereichen der individuellen Lebensgestaltung einfließt und damit zu deren phänomenologischen Filterung beiträgt.

Oder für den Laien subsummarum, verkürzt und plagiativ anders ausgedrückt: Wenn Peter Altmaier nicht twittern würde, hätte er das nicht getan.

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