Joschka revisited

In diesen Tagen muß man sich Joschka Fischer als einen glücklichen Mann vorstellen. Zugegebenerweise darf man ihn sich grundsätzlich nicht als unglücklichen Menschen vorstellen. Der Außenminister unter Kanzler Schröder (1998-2005) erfreut sich bester Einkünfte aus Lobbytätigkeiten, Dozententätigkeiten und sonstigen bezahlten öffentlichen Auftritten. Für einen Mann, der einmal als Unzufriedener Steine geworfen hat, hat er sicherlich seinen Frieden gefunden.

Doch die Anerkennung seiner politischen Tätigkeit, und da natürlich zuvorderst der als Außenminister, ließ lange auf sich warten. Da wurde gerne an ihm herumgemäkelt und irgendwie erinnerte mich sich an ihn schon als den letzten Außenminister, der im Volke beliebt und bekannt war, aber ansonsten…

Nun ändert sich dies dramatisch. Joschka Fischer ist überall präsent: In den Hauptstädten Europas, in den Fluren von Brüssel. Hastig werden alte Artikel von ihm ausgegraben, überall werden Zitate von ihm gesucht. Seine visionäre Kraft wird beschworen und sicherlich liegt dem einen oder anderen die Idee auf der Zunge ihn ins Amt (welches auch immer) zurückzuholen.

Joschka Fischer wäre der perfekte Kandidat für die nun Europa bevorstehende Aufgabe. Zugleich in den durch Sparzwang gemarterten revoltierenden Völkern Europas als ein steinewerfender Kamerad erkennbar; für die Banken, für die er bezahlte Vorträge und Lobbyarbeit geleistet hat, ebenfalls akzeptierbar und auch für die SUV-fahrende, im Bioladen einkaufenden Deutschen sofort verdaulich, besitzt nur er derzeit die Kraft den Zerfall Europas mit seiner Idee vom “Europa der zwei Geschwindigkeiten” (in einer Rede an der Humboldt-Universität im Jahr 2000) zu verkaufen.

Ja, warum auch nicht? Während Spanien und Griechenland langsam unter ihrer Schuldenlast in den Fluten des Mittelmeeres versinken, können die Deutschen und ein paar sorgfältig ausgewählte Aspiranten unter Joschka Fischer gemeinsam in eine bessere Zukunft schreiten: Dorthin, wo die Institutionen über blühenden Landschaften lachen und der Euro in Strömen fließt, während anderswo Steine geworfen werden.

Dieser Gedanke muß Joschka Fischer diese Tage sicherlich erfreuen.

This entry was posted in Politik and tagged , , , , , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply