Studie zu Biomasse hinterläßt ratlose Bauern

Die Initiative “Benzin direkt aus Bauernhand” (BDAB) zeigt sich enttäuscht von der heute erschienen Studie der auch als Leopoldina bekannten Nationalen Akademie der Wissenschaften zur ökonomischen und ökologischen Sinnhaftigkeit von Bioenergie. Eigentlich waren die Vertreter der Initiative zu einer Pressekonferenz über den neusten Benzin-Jahrgang (“Besonders Super Plus ist ein ausgezeichneter, süffiger Jahrgang.”) zusammengekommen, flugs wurde die Veranstaltung von den Wissenschaftlern durchkreuzt.

“Freundlich ausgedrückt: Wir teilen die Meinung dieser Wissenschaftler nicht,” grummelte BDAB-Präsident Seppmüller ins Mikrophon. Für Unmut sorgt unter den BDAB-Bauern vor allem die Passagen über die Ineffizienz der Nutzung von Anbauflächen für Benzin aus Biomasse. “Wir haben viele Mitglieder, die dieses Jahr bewußt den Umstieg von Weizen auf Diesel gemacht haben, was soll ich denen denn jetzt sagen?” fragte der Verbandspräsident in die überraschend große Zahl anwesender Journalisten.

Nicht nur im offiziellen Rahmen, sondern auch vor Ort zeigen sich Bauern enttäuscht und alleine gelassen von der Politik. So etwa auch der Lauensteiner Landwirt Lammerich. “Wir haben erst im April unsere Bauerntankstelle eröffnet. Das war halt schon eine ziemlich Investition. Schlimm, dass jetzt sowas kommt.”

Tatsächlich scheint das Geschäft durchaus gut zu laufen. Alleine während unseres Gespräches kamen mehrere PKW aus dem benachbarten Hameln vorbei, um sich von den begeistert mitarbeitenden Kindern des Bauern mit Gießkannen ein paar Liter Benzin in ihre Tanks füllen zu lassen. Bauer Lammerich bestätigt den Eindruck: “Ja, laufen tut das schon gut. Nicht nur beim Obst oder Gemüse achten die Leute halt verstärkt auf regionale Produktion. Auch halt beim Benzin. Und nebenher können wir selbstgemachtes Brot verkaufen.” “Wir sind schon fast wie eine richtige Tankstelle,” fügte die älteste Tochter gleich noch hinzu.

Weder in der Wissenschaft, noch in der Politik scheint diese Nachricht so richtig angekommen zu sein, bedauert dennoch BDAB-Präsident Seppmüller. “Wir haben Almbauern aus den bayrischen Alpen bei uns im Verband, die auch da oben – unter schwierigsten Bedingungen – Benzin anbauen, damit sie auch morgens auf der Alm den frischen Benzolgeruch in der Nase haben, wenn sie ihre Fenster öffnen. So ist das nämlich. Benzinanbau gehört inzwischen fast schon zu unserer Tradition.”

Doch noch hat BDAB-Präsident die Hoffnung nicht aufgegeben in der Politik auf offene Ohren für die Brauchtumspflege zu stoßen. Zu wünschen wäre es ihm.

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