Keine Zeit für garnichts

Zur Jahreszeit ein Klagelied von Jaulund:

Herbst, gerade erst hat die Theaterspielzeit wieder begonnen und ich habe noch nicht alle Premieren gesehen, da bieten schon die Computerspielehersteller Halloween-Sales an und Must-See-Kinofilme laufen an. Von den neuen Staffeln der Fernsehserien will ich garnicht sprechen. Wie soll man das denn alles schaffen?

Bei den Gesprächen am Kaffeeautomaten auf der Arbeit beantworte ich alle Fragen meiner Mithunde, ob ich schon das neue XY gesehen/gespielt/gehört habe, mit einem Winseln. Aber es ist ja Herbst, die Abende sind länger, sagen sie zu mir. Wie lange sind ihre Abend denn, frage ich mich dann und bin dest davon überzeugt den kürzen Halm der Zeitbudgetierung gezogen zu haben.

Der Freizeitstress geht langsam an die Substanz. Vor allem da ich auch noch etwas für meine Gesundheit tun muß. Das Zuschauen bei Fußballspielen reicht ja schon lange nicht mehr. Immer tiefer nagt sich die schlangenhafte Verzweiflung in den Baum des Lebens. Die Winterdepression wird durch die Konsumkrise ersetzt. Man ist von lauter glücklichen Menschen umgeben, die in einer Woche soviel Spaß haben, wie man selber in den letzten zehn Jahren zusammengenommen.

Der Herbst ist wirklich die Jahreszeit der Unterhaltungsprodukte, des Konsums und der Verzweiflung, weil sich unter einem der Schlund der eigenen Unzulänglichkeit öffnet. WIE KANN JEMAND VERLANGEN, DASS MAN BEI ALL DEM SPASS HAT?

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